Ich habe neulich diesen Artikel gelesen, welcher sich sehr kritisch über Bohnen als Proteinquelle äußert.
Über das Thema Hülsenfrüchte und ihre gesundheitlichen Vorteile habe ich bereits einen Artikel auf meinem Blog geschrieben.
Hier sind meine Antworten zu den genannten Punkten:

 

1. Lektine sind Anti-Nährstoffe die zu einem „Leaky Gut“ Syndrom führen:

Wenn Lektine schlecht wäre, hätten Menschen mit einem hohen Anteil an Lektin-haltigen Lebensmitteln wie Hülsenfrüchte mehr Krankheiten und eine niedrigere Lebenserwartung. Allerdings ist das Gegenteil der Fall. Der Verzehr von Hülsenfrüchten ist der wichtigste Indikator für Langlebigkeit in Bevölkerungen. Die Bevölkerungen mit den ältesten Menschen haben alle gemeinsam, dass sie einen hohen Anteil an Hülsenfrüchten in ihrer Ernährung haben. Außerdem steht auch der Verzehr von Lektin-haltigem Vollkorngetreide in Assoziation mit einem reduzierten Risiko an Herz-Kreislauf-Erkrankungen, der Nummer 1 Killer. Menschen die mehr Vollkorngetreide essen leben länger und gesünder.
Die Lektine in Bohnen werden durch die richtige Zubereitung beim Kochen zerstört.
Mehr Infos zu Lektine:
https://nutritionfacts.org/video/dr-gundrys-the-plant-paradox-is-wrong/
https://nutritionfacts.org/video/how-to-avoid-lectin-poisoning/
https://nutritionfacts.org/video/are-lectins-in-food-good-or-bad-for-you/

 

2. Bohnen haben einen zu hohen Kohlenhydratgehalt:

Mehr Kohlenhydrate ist doch nicht negativ. Die in Hülsenfrüchten enthaltenen Kohlenhydrate sind sehr gesunde langkettige Kohlenhydrate mit sehr niedrigem glykämischen Index. Eine kohlenhydratarme Ernährung macht keinen Sinn, ist sogar ungesund. Der Körper, insbesondere das Gehirn braucht Kohlenhydrate (Glukose). Den Körperfettanteil zu halten oder zu reduzieren hat nichts mit der Menge an Kohlenhydraten zu tun. Ob man Körperfett zu- oder abnimmt hängt alleine von der Kalorienbilanz ab. Isst man mehr Kalorien als der Körper verbraucht nimmt man zu, isst man weniger nimmt man ab.

 

3. Phytate sind Anti-Nährstoffe welche die Aufnahme von Mineralien verhindern:

Phytate können zwar die Aufnahme gewisser Mineralien verringern, sind nicht zwingend schlecht sondern können sogar bei der Bekämpfung von Krebs und auch von Osteoporose helfen. Außerdem kann die negative Wirkung der Phytate für die Aufnahme gewisser Mineralien durch aufnahme-fördernde Stoffe wie z.B. Vitamin C wieder ausgeglichen werden.
Mehr Infos zu Phytaten:
https://nutritionfacts.org/video/phytates-for-the-treatment-of-cancer/
https://nutritionfacts.org/video/phytates-for-rehabilitating-cancer-cells/
https://nutritionfacts.org/video/phytates-for-the-prevention-of-cancer/
https://nutritionfacts.org/video/phytates-for-the-prevention-of-osteoporosis/

 

4. Phytoöstrogene: Wegen dem Gehalt an Isoflavonen der Sojabohne sollte bei hormonabhängigen Erkrankungen auf eine exzessive Aufnahme von Soja-Lebensmitteln verzichtet werden:

Phytoöstrogene sind dem weiblichen Sexualhormon Östrogen ähnliche Stoffe. Diese docken an dieselben Rezeptoren an und können dadurch die Wirkung des körpereigenen Östrogens hemmen.
Isoflavone kommen viel in Sojaprodukten vor und Lignane kommen viel vor allem in Leinsamen vor. Allerdings ist der Verzehr von sowohl Soja als auch Leinsamen sehr gesund und kann sogar bei der Bekämpfung von unter anderem Brustkrebs helfen.
Zum Thema Leinsamen habe ich bereits einen separaten Artikel auf meinem Blog dazu geschrieben.
Mehr Infos dazu:
https://nutritionfacts.org/?s=phytoestrogens

 

5. Bohnen haben weniger und unvollständiges Protein:

Es ist korrekt, dass Hülsenfrüchte nicht alle essentiellen Aminosäuren in gleichem Maße enthalten. Aber das ist kein Problem, da man ja nie nur ein Lebensmittel ist, sondern man isst ja eine Mahlzeit aus mehreren Lebensmitteln. Außerdem ist es absolut nicht notwendig in einer Mahlzeit alle essentiellen Aminosäuren zu sich zu nehmen. Der Körper hat einen Aminosäure-Pool, und es ist vollkommen ausreichend wenn man über den Tag (oder sogar Woche) verteilt genug von allen essentiellen Aminosäuren zu sich nimmt.

 

6. Eine Kombination mit Getreide ist Unsinn:

a.) Man muss Hülsenfrüchte ja nicht mit glutenhaltigen Getreidearten kombinieren um die biologische Wertigkeit der Proteine zu erhöhen. Man kann sie ja auch mit Reis, Mais, Buchweizen, Quinoa, Amaranth, Hirse, etc. kombinieren. Außerdem kann auch die Kombination mit verschiedenen Gemüsearten die biologische Wertigkeit der Proteine erhöhen.

b.) Zu dem Argument, dass Bohnen eines hohen Kohlenhydratanteil haben, siehe Kommentar zu Punkt 2.

c.) Das Argument das Getreide Gluten: nur sehr wenige Menschen haben ein Problem mit Gluten (Zöliakie). Für die sehr wenigen mit Zöliakie gibt es ja auch glutenfreie Alternativen, siehe Kommentar zu Punkt 6a. Die allermeisten Menschen haben keinerlei Probleme mit Gluten und der Konsum von vollwertigen Getreideprodukten hat sogar viele gesundheitlichen Vorteile.

 

7. Nahrungsvolumen: Bohnen haben zu viel Volumen:

Niemand muss 1kg Bohnen essen um sein Proteinbedarf zu decken. Man isst ja nicht nur Bohnen den ganzen Tag, sondern auch noch andere Lebensmittel welche auch Proteine enthalten. Außerdem habe die meisten Menschen eher das gegenteilige Problem, dass sie zu viel essen und übergewichtig sind und abnehmen wollen. Von daher ist es für die meisten Menschen von Vorteil mehr Volumen bei den gleichen Kalorien essen zu können.
1 kg Fleisch oder Fisch pro Tag zu essen hat dagegen viele negative Auswirkungen auf die Gesundheit und erhöht das Risiko für viele Zivilisationskrankheiten.
Das American Institute for Cancer Research und der World Cancer Research Fund sind mit der größten Studie zum Thema Krebsprävention zu dem Konsens gekommen, dass man maximal 500 Gramm rotes Fleisch pro Woche essen sollte.
Zu dieser Studie und den 10 Empfehlungen die daraus hervor gingen habe ich einen separaten Artikel auf meinem Blog geschrieben.

 

8. schlechte Verdauung durch FODMAPs

Nicht alle Menschen habe eine Allergie gegen Gluten z.B. Die meisten Menschen habe keine Beschwerden und können ohne Probleme Gluten verdauen. Es ist sogar von Vorteil glutenhaltige Lebensmittel zu essen wenn man keine Unverträglichkeit (Zöliakie) hat. Die FODMAPs (fermentierbare Oligo-, Di- und Monosaccharide sowie Polyole) sind Präbiotika welche unsere guten Darmbakterien füttern und so die Leistung unseres Immunsystems steigern. Dadurch wird die Aktivität der natürlichen Killerzellen erhöht, was dazu führt, dass unserer Körper besser Krebs und Infektionen bekämpfen kann. Mehr Infos dazu:
https://nutritionfacts.org/video/gluten-free-diets-separating-the-wheat-from-the-chat/

Ein Kommentar zu „Sind Bohnen eine schlechte Proteinquelle?

  1. Bei solchen Artikeln denk ich mir immer wieder: Auf das WAS gucken sie wie das Kaninchen auf die Schlange. Aber das WIE ist ihnen ziemlich schnurz.
    Was in ‚Normalküchen‘ durch Hitzeeinwirkung und/ oder in der Nahrungsmittelundustrie durch Hochverarbeitung ruiniert wird, ist unter Garantie mehr, als durch die Lebensmittel- Auswahl gewonnen werden kann 😉
    In diesem Sinne:
    paradise your life! 😉

    Liken

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